27.01.2009 | Nachruf

In Erinnerung an Karl Schärer

Die EVP Wetzikon erinnert sich an den langjährigen Kantons- und Bezirksrat Karl Schärer. Wie kein Zweiter hat er die politische und architektonische Landschaft im Grossraum Wetzikon geprägt.

Es war ein denkwürdiger Tag, jener 27. Januar im Jahre 09: Die Stimme einer markanten Wetziker Persönlichkeit war verstummt. Karl Schärer, der wohl wie kein Zweiter die politische und architektonische Landschaft im Grossraum Wetzikon geprägt hatte, wurde von einer nahezu  unzählbaren Schar nachdenklicher Trauergäste verabschiedet. Dieser profilierte Sohn des Zürcher Oberlandes glich einer robusten Wettertanne, welche den rauen Winden trotzte und dem verirrten Wanderer Schutz anbot. Er hat unauslöschliche Spuren hinterlassen, die nicht so rasch vom Winde verweht oder durch den Zahn der Zeit zerstört werden.

 

Sein Ideenreichtum, seine oft unkonventionellen Lösungsvorschläge trugen nicht selten dazu bei, einen gangbaren Weg aus einer Sackgasse zu finden und auch Hindernisse zu überwinden. Er strotzte vor Vitalität, liess sich kaum einmal entmutigen und konnte seine Mitarbeiterschaft immer wieder motivie-ren. Dank seiner natürlichen Autorität und einem visionären Weitblick war er seinen Konkurrenten im  wirtschaftlichen Verdrängungskampf stets eine Nasenlänge voraus. Das beweisen die legendären Neujahrsblätter, welche von den Adressaten sehr geschätzt worden sind.

 

Die Wetziker Ortsgruppe der EVP entwickelte sich parallel zu seiner politischen Karriere: Mit seinem zuverlässigen Weggefährten Hubert Rüegg sen. als verantwortlichen Bremser bestimmte er den Kurs als Steuermann im Zweierbob. Die beiden waren ein unzertrennliches Team, denn sie ergänzten sich nahezu optimal. In seinem von eigener Hand verfassten Lebenslauf bezeichnete sich Karl Schärer als ein Suchender; in den Augen seiner Lebensgefährtin galt er als ein Rebell, der sich nicht scheute, auch kritische Gedanken zu äussern, ohne sein Gegenüber zu beschämen. Das etwas verstaubte Bild vom weichen Kern in einer harten Schale passt trotzdem zu seinem Charakter.

 

Jede Form von Biederkeit und Anpassung war ihm ein Greuel; hingegen war seine Grosszügigkeit sprichwörtlich: Er konnte einem Parteimitglied nach einer Sitzung ohne Kommentar 500 Reka-Checks in die Hemdtasche stecken, und zwar auch dann, wenn der Beschenkte vorgängig eine andere Meinung in einer bestimmten Sachfrage vertreten hatte.

 

Eigentlich hätte er wie sein Bruder Martin, welcher übrigens die Trauerfeier als Pfarrer leitete, Theologie studieren sollen. Doch die alten Sprachen waren seine Sache nicht. Deshalb wechselte er die Fakultät und etablierte sich als Architekt, wobei er in dieser Disziplin sowohl seine unternehmerischen als auch kreativen Fähigkeiten realisieren konnte. Ihn als Manager zu bezeichnen, hätte ihn womöglich beleidigt, denn er wollte in erster Linie Verantwortung tragen und nicht allein Geld scheffeln…

 

Dass er in seiner Wohngemeinde nie als Gemeinderat oder –präsident kandidierte, hängt wohl damit zusammen, dass er nicht mit den Wölfen heulte, sondern seinen eigenen Weg verfolgte. Lieber betätigte er sich als „Königsmacher“, indem er unbekannten Bewerbern dazu verhalf, ein Mandat für die EVP zu ergattern. Darin war er unschlagbar!

 

Doch als Mitglied der kantonalen Legislative hat er den Bezirk Hinwil in Zürich vertreten, und zwar von 1979 bis 1993. Und zum krönenden Abschluss schaffte er in einer denkwürdigen Kampfwahl im Februar 05 den Sprung in den Bezirksrat, während die beiden grössten Parteien leer ausgingen. Im vergangenen Januar wurde er in stiller Wahl für eine zweite Amtsdauer bestätigt; doch es ist anders herausgekommen: Karl Schärer hat den Kampf gegen einen übermächtigen Feind verloren. Wir werden ihn stets in unvergesslicher Erinnerung behalten.

 

EVP Wetzikon